Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien

Sachverständigengruppe | Gutachten über die tierschutzgerechte Haltung von Terrarientieren


Herausgegeben vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

vom 10. Januar 1997

Spezieller Teil | Dauerhaltung


Mindestanforderungen an die Haltung von Chamäleons


Die nachfolgenden Empfehlungen gelten für die Pflege adulter Tiere. Sie sind sinngemäß für die Aufzucht juveniler Tiere anzuwenden, deren Ansprüche jedoch deutlich abweichen können.

Für einen "Einstieg" in die Reptilienhaltung sind Chamäleons nicht geeignet. Arten, die von Anfängern der Chamäleonhaltung gepflegt werden können und Arten, die nur von Spezialisten gepflegt werden sollen, sind in der Tabelle gekennzeichnet.

Anforderungen an Strahlungswärme, "Frischluftbedürfnis", Luftfeuchtigkeit und Verträglichkeit sind für häufig gepflegte Arten in nachfolgender Tabelle zusammengefasst. Erläuterungen dazu sind den Anmerkungen 1 bis 4 zu entnehmen.

Die Terrariengröße wird auf Kopf-Rumpf-Länge bezogen und soll für bodenlebende Arten (Länge x Breite x Höhe) 4 x 4 x 2,5, für alle anderen Arten 4 x 2,5 x 4 betragen. Diese Rauminhalte gelten für die Haltung eines Tieres. Für die Paarhaltung sind 20 % der Grundfläche zuzugeben.

Art Strahlungs-
wärme1)
Frischluftbe-
dürfnis2)
Luftfeuchtig-
keit3)
Verträglich-
keit4)
Bradypodion damaranum 45 hoch normal Paar
Bradypodion fischeri 32 normal normal einzeln
Bradypodion gutturale 32 hoch normal Paar
Bradypodion karroicum 32 hoch normal Paar
Bradypodion ventrale occidentale* 45 hoch normal Paar
Bradypodion pumilum* 32 hoch normal Paar
Bradypodion thamnobates 32 normal normal Paar
Calumma boettgeri keine unempfindlich > 60 % Paar
Calumma brevicornis 32 normal normal einzeln
Calumma gallus** 32 unempfindlich > 60 % einzeln
Calumma gastrotaenia 32/ohne unempfindlich > 60 % einzeln
Calumma globifer 32/ohne unempfindlich > 60 % einzeln/Paar
Calumma hilleniusi** 32 normal normal einzeln
Calumma nasuta 32/ohne unempfindlich > 60 % einzeln/Paar
Calumma oshaughnessyi 32/ohne unempfindlich > 60 % einzeln
Calumma parsoni 32/ohne unempfindlich > 60 % einzeln/Paar
Calumma calyptratus* 45 normal normal einzeln/Paar
Chamaeleo chamaeleon 45 normal normal einzeln
Chamaeleo dilepis* 45 normal normal einzeln
Chamaeleo gracilis* 45 normal normal einzeln
Chamaeleo ellioti* 45 hoch normal Paar
Art Strahlungs-
wärme1)
Frischluftbe-
dürfnis2)
Luftfeuchtig-
keit3)
Verträglich-
keit4)
Chamaeleo hoehneli* 32 hoch normal Paar
Chamaeleo jacksoni* 45/32 hoch normal Paar
Chamaeleo melleri 45 hoch normal Paar/einzeln
Chamaeleo johnstoni 32 hoch normal einzeln
Chamaeleo montium 32 normal > 60 % einzeln
Chamaeleo quadricornis 32 normal > 60 % einzeln
Furcifer antimena 45 normal normal einzeln
Furcifer campani 45/32 normal normal einzeln
Furcifer cephalolepis 45/32 normal > 60 % einzeln
Furcifer lateralis* 45/32 unempfindlich normal einzeln
Furcifer pardalis* 45 unempfindlich normal einzeln
Furcifer petteri 32 hoch normal einzeln
Brookesia ebenaui ohne unempfindlich > 60 % Paar/einzeln
Brookesia legendrei ohne unempfindlich > 60 % Paar/einzeln
Brookesia minima ohne unempfindlich > 60 % Paar/einzeln
Brookesia stumpfi ohne unempfindlich > 60 % Paar/einzeln
Brookesia superciliaris ohne unempfindlich > 60 % Paar/einzeln
Brookesia thieli ohne unempfindlich > 60 % Paar/einzeln
Rampholeon kersteni* 32 normal > 60 % Paar/einzeln
Rampholeon spectrum ohne unempfindlich > 60 % Paar/einzeln


Außerdem sind folgende Anforderungen zu beachten:

Ernährung
Besonders wichtig ist eine adäquate Ernährung mit einem entsprechenden Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen. Deshalb sollte das Futter immer mit einem Vitamin-Mineralstoffgemisch eingestäubt werden. Genommen werden nur lebende Futtertiere wie Insekten oder Kleintiere. Manche Arten nehmen auch pflanzliche Kost.

Die Versorgung der Chamäleons mit ausreichend Wasser ist schwierig. Die Terrarien sollten täglich einmal mit Wasser überbraust werden und Tiere ab einer Gesamtlänge von 20 cm mindesten einmal wöchentlich Wasser aus der Pipette erhalten. Alternativ können Chamäleons auch täglich aus der Pipette getränkt werden.

Terrariengestaltung
Die typischen Baum- und Buschbewohner unter den Chamäleons benötigen zahlreiche Kletteräste. Eine Bepflanzung ist empfehlenswert, für Regenwaldbewohner dringend erforderlich. Wegen ausgeprägter innerartlicher Aggressivität sollen die Seitenwände immer verkleidet sein, so dass kein Sichtkontakt zum Nachbarterrarium besteht.

Dem Bodengrund kommt nur eine Bedeutung bei der Pflege der Erdchamäleons zu. Diese Tiere benötigen eine feuchte Erdschicht und eine ca. 5 cm hohe Laubschicht o. ä. als Versteckmöglichkeit.

Ferner ist der Bodengrund für die Eiablage entscheidend. So sollten trächtige Weibchen der eierlegenden Arten in einem Terrarium mit einer ca. 3 bis 30 cm hohen Bodenschicht - abhängig von der Größe der Weibchen - gepflegt werden. Das Substrat sollte nicht zu hart und muss bei eierlegenden Arten für das Anlegen von Höhlen geeignet sein.

Aufzucht
Die Aufzucht der meisten Arten sollte einzeln in Kleinstterrarien erfolgen, wobei die Klimabedingungen der adulten Arten nachempfunden werden sollten. Jedoch dürfen die Maximaltemperaturen nie erreicht werden. Bei einigen Arten, insbesondere den zahlreichen lebendgebärenden, empfiehlt sich auch eine gemeinsame Aufzucht in kleinen Gruppen.


Echse Echsen
Krokodil Krokodile
Schlangen Schlangen
Schildkröte Schildkröten
Download des Gutachtens als PDF-Datei
Zebrafink Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft
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